Januar 22, 2021

Ayurveda, das Wissen vom langen und gesunden Leben, zeigt uns, wie sich ein Leben in Harmonie mit der Natur führen lässt. Die altindischen Weisheiten sind tief in den mehr als 5000 Jahren alten Veden verankert, und trotzdem heute noch topaktuell. Das Fundament der Ayurvedalehre bilden die drei Doshas oder Funktionsprinzipien: Vata, Pitta und Kapha. Ihnen zugrunde liegen die elementaren Naturbausteine, die fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. 

Warum Detox?

Seit Jahrtausenden fastet der Mensch gewollt, und in jeder Weltreligion gibt es eine Empfehlung zum freiwilligen und zeitlich limitierten Verzicht in unterschiedlicher Form. In der Ayurvedalehre zählt eine Reinigungs-Kur zu den intensivsten Therapiemethoden der Ernährungslehre, um das Immunsystem zu stärken. Man möchte sich von Gewohnheiten trennen, Routinen brechen und natürlich auch den Verdauungsapparat reinigen und entlasten. Ziel einer jeder ayurvedischen Entgiftungskur ist es, den Stoffwechsel anzukurbeln und die sogenannten «Altlasten» zu verbrennen. Die Verdauung wird angeregt und der Organismus allgemein gestärkt. Regelmässige Entschlackungs- bzw. Detox-Tage führen langfristig zu mehr Vitalität und geistiger Klarheit.

Nicht zu unterschätzen ist auch der psychische und seelische Aspekt einer Reinigungskur. Detox-Tage sind eine optimale Grundlage für einen Neustart, es ist eine Chance um sich von nicht förderlichen Gewohnheiten (Naschen, Völlerei, Heisshunger-Attacken, Bewegungsunlust) zu trennen und diese durch neue Routinen und einem frischen Mindset zu ersetzen. Menschen, die sich in einer Entscheidungsfindungs-Phase befinden hilft, eine innere Reinigung zu mehr geistiger Klarheit und Stärke, um die nächsten Schritte zielsicher anzugehen. 

In derAyurveda-Frauenheilkunde gibt es auch ganz spezielle Reinigungs- und Fasten-Empfehlungen für Frauen mit Kinderwunsch, wie man den Köper optimal auf eine zukünftige Schwangerschaft vorbereiten kann. In den Wechseljahren, wenn die Menstruation als natürliche und regelmässige Reinigung des Körpers entfällt, kann man z.B. einen monatlichen Reinigungstag mit Reis- oder Kitchari einlegen und sich dabei am Mondzyklus orientieren. 

Das Prinzip von Agni & Ama 

Im Ayurveda gilt Nahrung als das, was der Körper verarbeiten kann. Zentral steht dabei die individuelle Verdauungskraft, die als Agni bezeichnet wird. Bleibt Nahrung unverdaut entstehen Schlacken und Gifte/Ama, die sich im Magen-Darm-Trakt ansammeln und durch die Blut- und Lymphgefässe in andere Organe gelangen. Die Schlackenstoffe schwächen wiederum die Abwehrkräfte und sind ein potenzieller Herd von Krankheit. 

Um das Verdauungsfeuer/Agni anzuheizen ist es nicht nur wichtig welche Lebensmittel man isst, sondern auch, zu welcher Zeit man speist, in welchen Mengen und unter welchen äusseren Umständen man das Essen zubereitet und zu sich nimmt. Bei einer herkömmlichen Fastenkur wird sehr oft das Verdauungsfeuer geschwächt d.h. das natürliche Hungergefühl wird unterdrückt. Im Ayurveda wollen wir das Feuer stets erhalten und brennen lassen, deshalb ist ein reines Fasten, d.h. ein kompletter Nahrungsverzicht, meist nicht in Einklang mit Ayurveda. 

Typischerweise wird mit einer reduzierten Mono-Diät auf Basis vonKitchari, einem mild-gewürzten Eintopf aus Mungbohnen und Reis, gefastet. Selbstverständlich entfallen in dieser Phase alle Genussmittel wie Zucker, Kaffee, Alkohol, Weissmehl, Fleisch, Fertigprodukte etc.  Wichtig für die Zubereitung von reinen und heilenden Speisen ist immer auch die Verwendung von frischen und saisonalen Nahrungsmitteln aus ökologischem Anbau. Durch die zusätzliche Anreicherung mit Kräutern und Gewürzen wird jede Mahlzeit zu einem wirkungsvollen Therapeutikum und hilft überschüssige Säuren und Toxine auszuscheiden. Ingwerwasser, Kräutertees und abgekochtes, möglichst lauwarmes Wasser werden während des Tages in ausreichender Menge getrunken. 

Im Gegensatz zur klassisch westlichen Ernährungslehre, bei der man die Lebensmittel nach ihren Inhaltstoffen und als gesund oder ungesund deklariert, geht es im Ayurveda darum, welche Nahrungsmittel der individuelle Körper tatsächlich verstoffwechseln kann, ohne dabei Gifte, Schlacken oder zu viel Abfallstoffe zu produzieren. Typische Symptome von einer Ama-Belastung sind z.B. Appetitlosigkeit, Steifheit oder ein Schweregefühl im Körper, ein Zungenbelag, Verdauungsstörungen oder übelriechende Körperausdünstungen. 

Auch auf der psychischen Ebene kann Ama entstehen, wenn wir z.B. an negativen Gefühlen oder zerstörerischen Gedanken und Beziehungen festhalten. Unverarbeitete Erlebnisse schwächen das geistige Agni und können ebenso toxisch wirken wie unverdaute Nahrung. Förderlich ist es, in Naturverbundenheit zu leben und Achtsamkeit zu kultivieren. Auch die regelmässige und bewusste Reinigung und Pflege des Körpers spielt dabei eine tragende Rolle. Durch reinigende und sinnliche Körperrituale wie z.B. Massagen, Bürsten, Bäder oder Leberwickel wird der Entgiftungsprozess und die Ausleitung über die Haut zusätzlich angeregt. 

Die Ayurveda-Zauberformel – Kitchari aus Mungbohnen

Ein Kitchari ist das Basisgericht der Ayurveda-Detox Küche, es besteht aus einer Mischung aus Mungbohnen und Reis, angereichert mit verdauungsfördernden Gewürzen. Die Besonderheit der Mungbohne liegt in ihrem hohen Eiweissgehalt, wegen ihrer spezifischen Proteinstruktur kann sie vom Körper äußerst gut verwertet werden. Sie bindet Säure und Schlacken an sich, ist sehr kalorienarm und reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Folsäure. Ein Kitchari aus Mungbohnen wirkt ausgleichend auf alle drei Dosha-Typen (Vata, Pitta und Kapha), stärkt die Verdauungskraft, reinigt die Transportkanäle im Körper und sorgt nebenbei für einen optimalen Gewebsaufbau. 

Das Rezept für einen Kitchari aus Mungbohnen findest du hier.

Abschliessend sollte noch folgendes erwähnt werden: Eine Detox-Kur eignet sich nur für Menschen mit einer stabilen Gesundheit, ältere oder geschwächte Personen sollten unbedingt zuvor einen Arzt oder Therapeuten konsultieren. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte man generell keine Detox-Kur betreiben. Auch Menschen mit körperlichen Beschwerden sollten nicht unbeaufsichtigt fasten bzw. erst einen Therapeuten zu Rat ziehen. 

Wenn du mehr über Ayurveda erfahren möchtest, dann lade ich dich gerne zu einem Ayurfood Koch-Workshop ein oder zu einer persönlichen Ayurveda-Detox-Beratung. Im Frühling und im Herbst 2021 organisiere ich am Sternenberg/ZH einen Detox-Kurz-Retreat mit heimischen Kräutern.   

Daniela Dörflinger Bruggeman: Ayurveda Gesundheits- und Ernährungs-Beraterin, ausgebildete Ayurveda Köchin und Kundalini-Yogalehrerin. In ihrem Food-Blog Ayurfood teilt sie Rezeptinspirationen aus der Ayurveda-Küche.


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